Folge 10 - Von Donnerschlacht und Sehnsucht
Shownotes
Diese Erzählungen entstehen aus vielen Stimmen und Aufzeichnungen, die mir auf meiner Wanderung begegnen. Frei nacherzählt aus alten Spuren, Erinnerungen oder neuen Funden.
Musik:
Intro - eingespielt von Yoh
"Thunder Dreams" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 4.0 License http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
"Procession of the King" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 4.0 License http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Voice of the Forest 3 - Humblebumble
Hintergrundgeräusche:
Fireplace Ambience - Alex_Jauk
Soft Wind - storegraphic
Large Monster Attack DavidDumaisAudio
Thunder BlenderTimer
Thunderstorm with distant birds Mothby
Lightning Strike druidus (Freesound)
low impact reverb - Humblebumble
Transkript anzeigen
00:00:04: Seid gegrüßt, Wanderin.
00:00:47: Kommt und restet hier bei mir am Feuer Denn wie ihr hört, hat es noch nicht auserzählt.
00:00:57: Mein Name ist Valeria, Wänderin der alten Pfade.
00:01:02: Ich lausche den Flüstern des Waldens Und lasse das Feuern seine Geschichten erzählen.
00:01:12: Wenn man vom Harz her absteigt und in Waldhinter sich lässt öffnet sich die Landschaft ganz plötzlich.
00:01:20: Die Bäume treten zurück und vor einem liegt ein sanfter Fluss, ...die Diemel!
00:01:28: Ein stilles Wasser das sich durch den grünen Auen zieht als hätte es alle Zeit der Welt.
00:01:36: Hier am Ufer ist der Boden weich... Und wenn man sich bückt riecht man diesen typischen Duft von Flussland eine Mischung aus Erde, Wasser und etwas dass man nicht greifen kann.
00:01:52: Wanderer, lasst einmal euren Blick vom Ufer hoch über die Sandsteinfelsen schweifen, die sich wie eine natürliche Mauer aus dem Hang schieben.
00:02:04: Rot warm und rau!
00:02:06: Man sieht die Schichten, die Jahrtausende erzählen.
00:02:12: Der Hang über uns ist steil Ein roter Sandstein der sich nach oben zieht und ganz oben Fast wie ein Wächter über dem Tal steht die Trendelbur.
00:02:25: Sie thront auf einem Sockel aus Buntsandstein und wenn man von unten hinauf schaut, wirkt sie größer als sie eigentlich ist – vielleicht weil die Natur sie so perfekt in Szene setzt?
00:02:39: Vielleicht wenn man spürt das hier Geschichten wohnen?
00:02:50: Links und rechts breiten sich die grünen Flussauen aus Weiches Gras, das sich wie ein Teppich ausrollt.
00:03:00: In den Auen liegen kleine helle Flecken, kaltige Hänge die fast steppenartig wirken.
00:03:10: Zwischen den Felsen wachsen Wacholderbüsche dunkelgrün und knorrig als hätten sie sich festgekrallt um dem Wind zu trotzen!
00:03:22: Sie riechen Herb – fast würzig Und wenn die Sonne sie trifft steigt ein Duft auf, der sich mit dem des Flusses mischt.
00:03:32: Auch Thymian wächst dort und verbreitet seinen warmwürzigen Duft.
00:03:37: Zwischen den Kräutern stehen Schafe, verstreut wie weiße Tupfer in der Landschaft.
00:03:44: Sie ziehen langsam über die Hänge – und über ihn tanzen Schmitterlinge!
00:03:50: Kleine Farbflecken, die sich im Wind verlieren und dann und wann wieder auftauchen.
00:03:56: Tausende Schmetterlinge sollen hier über die Wiesen tanzen.
00:04:00: Unter ihnen auch einige seltene Exemplare, ein bunter Schweif in der steppenartigen Landschaft.
00:04:10: und während wir stehen am Ufer der Demel unter der Trennbelburg spüre ich wie sich die Geschichten der Region langsam öffnen, wie die Landschaft selbst zu Sprechen beginnt.
00:04:30: Sie spricht von Riesen, die hier einst entlang schritten.
00:04:35: Von Gewittern, die nicht nur aus den Wolken kamen!
00:04:39: Von einem Turn der ein Mädchen beherbergte dessen Haar wie ein goldener Faden war.
00:04:46: Von einer Burg, die mehr gesehen hat als wir je begreifen werden.
00:04:53: Hier beginnt die nächste Etappe unserer Reise... ...hier wo Flussfelsen und Burg zusammenkommen.
00:05:10: erzählt, dass in uralten Zeiten lange bevor Burgen und Dörfer das Diemel teilprägten ein Geschlecht von Riesen in den Höhlen zwischen Weser- und Reinheitswald lebte.
00:05:27: Der mächtigste unter ihnen war Kruko – ein Riese dessen Schritte die Erde erzittern ließen.
00:05:35: Er hatte drei Töchter Brahma, Saba.
00:05:42: Die drei Riesinnen waren so verschieden wie die Landschaften, die sie liebten.
00:05:50: War sanft und nachdenklich, sahbar, mutig und freundlich!
00:06:00: Trenndola war wild stolz und oft unberechenbar.
00:06:09: Sie liebte die Felsen über der Diemel, die roten Sandsteinhänge und die steppenartigen Kalkflächen auf den Thymian duftete und scharfe Grasten.
00:06:20: Doch ihr Herz war hart, und sie duldete niemanden in ihrem Gebiet.
00:06:26: Eines Tages wanderte Trendola hinab ins Tal.
00:06:31: Dort sah sie etwas das sie noch nie gesehen hatte – einen Bauern der mit seinem Ochsen das Feld pflügte.
00:06:39: Für die Riesin wirkte dies wie ein kleines lebendiges Spielzeug!
00:06:45: Neugierig kniete sie sich hin, breitete ihre Schürze aus und strich mit einer einzigen Handbewegung den Bauern den Flug un das Tier zusammen als wären sie Kieselsteine.
00:06:59: Bröhlich sprang sie den Hang hinauf um ihrem Vater zu zeigen was sie gefunden hatte doch Kroko wurde ernst als er in ihre Schütze blickte.
00:07:08: Er erklärte seiner Tochter dass der Bauer kein Spielzeug sei sondern jemand, der die Felder bestellte von denen auch die Riesen lebten.
00:07:19: Rendula musste alles wieder zurückbringen und obwohl sie weinte, gehorchte sie.
00:07:27: nach Kokos Tod veränderte sich vieles.
00:07:32: Brahma und Saba wandten sich dem neuen Glauben zu, der sich im Diemeltal ausbreitete.
00:07:39: Rendola aber hielt an den alten Göttern fest und wurde immer finsterer.
00:07:45: Sie verfolgte ihre Schwestern, wo sie konnte und machte ihnen das Leben schwer.
00:07:52: Brahma litt besonders unter Trendolos Härte.
00:07:56: Sie weinte so viel, dass sie schließlich erblindete.
00:08:01: In ihrer Not verlies sie die Burg des Vaters und baute sich auf der anderen Weserseite eine eigene Burg – Die Bramburg.
00:08:11: Sabah folgte ihr bald!
00:08:14: Sie errichtete im Reinhardswald die Saba-Burg, um Abstand zu Trendola zu gewinnen.
00:08:21: Doch sie ließ ihre blinde Schwester nicht allein!
00:08:28: Wenn am Abend Nebel in die Täler von Weser und Diemelsang ging Saba mit großen Schritten zur Bramer blieb bei ihr bis zum Morgenrauen und kehrte erst dann zurück.
00:08:44: Trendula erfuhr von den nächtlichen Besuchen und wurde vor Eifersucht und Zorn erfüllt.
00:08:51: Sie fühlte sich ausgeschlossen und beschloss Saba zur Rede zu stellen.
00:08:57: Eines Nachts traf sie ihre Schwester nahe der Kruppenburg, als Saba gerade von der Bramburg zurückkehrte.
00:09:06: Was als Streit begangen wurde zu einem Ausbruch unbändiger Wut.
00:09:11: Drendola packte Saba und erschlug sie.
00:09:16: Der Ort an dem dies geschah wird bis heute Mordkammer genannt.
00:09:26: Nach der Tat verließ Trändler die Krutenburg.
00:09:32: Sie wanderte die Diemel flussaufwärts und errichtete dort die Burg, die später ihren Namen tragen sollte – Trändelburg!
00:09:43: Doch auch dort blieb sie nicht friedlich.
00:09:49: Man erzählte sich dass sie aus Brotteig, Schuhe- und Spielzeug für ihre Kinder formte und damit die Gabengottes verspottete.
00:09:59: Die Menschen im Tal füchteten sie Doch niemand wagte es sich, etwas entgegenzustellen.
00:10:09: Eines Tages zog ein gewaltiges Gewitter über Trennleburg auf.
00:10:14: Sieben Tage und sieben Nächte tobte der Sturm ohne nachzulassen – die Menschen glaubten, der Himmel selbst sei entzürnt!
00:10:26: Um den Zorn zu besänftigen, beschlossen sie ein Gottesurteil.
00:10:33: Was los sollte entscheiden, wer hinaus auf das offene Feld gehen und sich dem Sturm stellen müsste?
00:10:40: Dieses Los fiel auf Trendula.
00:10:47: Kaum stand sie allein unter dem dunklen Himmel Da sammelten sich die Wolken über ihr.
00:10:53: Ein einziger gewaltiger Blitz fuhr herab und traf die Wiesen.
00:10:58: Der Sturm verstummte sofort.
00:11:04: An der Stelle an der der Blitz einschlug blieben zwei tiefe Löcher zurück.
00:11:10: Man nennt sie bis heute Wolkenbrüche.
00:11:14: So endete Trennula, die wilde Riesin der Diemel und die Landschaft trägt ihre Spuren bis heute.
00:11:32: Und mag die Landsschaft geprägt haben?
00:11:36: Doch die Burg, die später ihren Namen trug, kam eine andere Geschichte Eine, die nicht aus Donner-und-Riesenwut entstand sondern aus Sehnsucht und Einsamkeit.
00:11:51: Denn als die Trennbelburg Jahrhunderte später ihren Turm in den Himmel streckte, sahen die Menschen darin das Bild eines Mädchens, dass dort Gefangen gewesen sein könnte – eine Geschichte, die nicht von Gewalt erzählt, sondern von einem Mädchen, das dort oben lebte, fern von der Welt mit einem Geheimnis, das wie Gold im Licht schimmerte.
00:12:18: So fand Rapunzel ihren Platz, durch den Blick der Menschen.
00:12:22: Durch die Fantasie wie sich an den Turm klammerte.
00:12:36: Es war einmal ein Mann und eine Frau Die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind.
00:12:45: Endlich machte sich die Frau Hoffnung Der liebe Gott werde Ihren Wunsch erfüllen.
00:12:52: Wie Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster.
00:12:55: Daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand.
00:13:04: Er war aber von einer hohen Mauer umgeben – und niemand wagte hineinzugehen, weil er eine Zauberin gehörte, die große Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward.
00:13:18: Meines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sahen den Garten hinab.
00:13:24: Da erblickte sie ein Beet das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war.
00:13:30: Und sie sahen so frisch und so grün aus, dass sie Lüstern ward und das größte Verlangen empfand von diesen Rapunzen zu essen.
00:13:40: Das Verlagen nahm jeden Tag zu – und da sie wusste, dass die keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, saublass-und elendaus.
00:13:51: Da erschrak der Mann und fragte, was fehlt ihr liebe Frau?
00:13:57: Ach!
00:13:58: antwortete sie, wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserem Hause zu essen kriege so sterbe ich.
00:14:08: Der Mann der Sie lieb hatte dachte eh du deine Frau sterben lässt es holst ihr von den Rapunzen erst mal kosten was es will.
00:14:20: in der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer.
00:14:23: in den Garten der Zauberin starren aller Eiler ein Handvoll Rapunzel und brachte sie seiner Frau.
00:14:31: Sie machte sie sogleich Salat daraus und aßt sie in voller Begierde auf.
00:14:37: Sie hatten ja aber so gut geschmeckt, dass er den anderen Tag noch dreimal so viel Lust bekam.
00:14:44: Sollte sie Ruhe haben, so musste der Mann noch einmal in den Garten steigen.
00:14:50: Er machte sich also eine Abenddämmerung wieder hinab.
00:14:55: Als er aber die Mauer her abgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen!
00:15:03: – Wie kannst du es wagen?
00:15:06: sprach sie mit zornigen Blick.
00:15:08: – Um einen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meiner Rapunzel zu stehen, das soll dir schlecht bekommen!
00:15:17: – Ach, antwortete er, lasgenade fuhrecht ergehen.
00:15:24: ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen.
00:15:27: Meine Frau hat eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt und empfindet ein so großes Gelüsten, dass sie sterben würde wenn sie nicht davon zu essen bekommt.
00:15:40: Da ließ die Zauberin in ihrem Zornen nach und sprach zu ihm.
00:15:45: Verhält es sich so wie du sagst?
00:15:48: So will ich dir gestatten Rapunzel mitzunehmen!
00:15:51: So viel du willst!
00:15:54: Allein ich mache eine Bedingung Du muss mir das Kind geben, dass deine Frau zur Welt bringen wird.
00:16:02: Es soll ihnen gut gehen und ich will fürs Sorgen wie eine
00:16:05: Mutter.".
00:16:08: Der Mann sagte in der Angst zu und als die Frau in die Wochen kam so erschien sogleich.
00:16:15: die Zauberin gab dem Kinder den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.
00:16:25: Rapunzl war da schönste Kind unter der Sonne.
00:16:29: Als es zwölf Jahre alt war Schloß es die Zauberin in einem Turm, der in einem Walde lag und weder Treppe noch Türe hatte.
00:16:38: Nur ganz oben war ein kleines Fensterchen!
00:16:43: Wenn die Zaurerin hinein wollte so stellte sie sich unten hin und rief... Rapunzel, Rapunsel lass mir dein Haar herunter!
00:16:54: Rapuncel hatte lange prächtige Haare fein wie gesponnen golft.
00:17:02: wenn Sie nun die Stimme der Zaubern vernahmen So band sie ihre Zöpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter.
00:17:15: Die Zauberin stieg daran hinauf.
00:17:21: Nach ein paar Jahren trug es sich zu dass der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorüber kam.
00:17:30: Da hörte er ein Gesang Der war so lieblich das er still hielt und heuchte.
00:17:36: Das war Rapunzel die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit damit vertrieb, ihre süße Stimme erscheinen zu lassen.
00:17:48: Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Tür des Turms – aber es war keine zu finden!
00:17:57: So ritt er heim doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, dass er jeden Tag hinaus in den Wald ging und zuhörte.
00:18:10: als er einmal so hinter einem Baum stand sah er, dass eine Zauberin herankam und hörte wie sie hinauf rief.
00:18:18: »Rapunzel!
00:18:19: Rapunzel, lass mir dein Haar her runter!«.
00:18:24: Da ließ Rapuncel die Haarflechten herab und die Zaubern stieg zu ihr hinauf.
00:18:29: Es ist die Leiter auf welcher man hinauf kommt – so will ich auch einmal mein Glück versuchen.
00:18:38: Und in folgenden Tag als es anfing dunkel zu wergen ging er zur Turme und rief Rapunzel, rapunzel!
00:18:47: Lass mir dein Haar herunter.
00:18:51: Alsbald fehlen die Haare herab und der Königssohn stieg hinauf.
00:18:56: Anfangs erschrag Rapunze gewaltig als ein Mann zu ihr herein kam wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten.
00:19:04: doch der Königsohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzählte ihr das von ihrem Gesang sein Herz so sehr bewegt worden sei dass es ihn keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müssen.
00:19:19: Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte ob sie ihm zu Manne nehmen wollte – und sie sah das er jung und schön war – so dachte sie, der wird mich lieber haben als die alte Frau Gotel, und sagte ja, und legte ihre Hand in seine Hand.
00:19:38: Sie sprach, ich will gerne mit dir gehen aber ich weiß nicht wie ich herabkommen kann!
00:19:47: Wenn du kommst, so bring jedes Mal einen strengen Seide mit.
00:19:51: Daraus will ich eine Leiter flechten!
00:19:53: Und wenn die fertig ist, so steig' ich herunter und du nimmst mich auf dein
00:19:58: Pferd.".
00:20:00: Sie verabredeten, dass er bis dahin alle Abender zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte – wie zauberer merkte auch nichts davon.
00:20:11: Bis einmal Rappunzel anfing um zu ihr sagte «Sag sie mir doch Frau Gotel, wie kommt es nur?».
00:20:19: Sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als den jungen Königssohn.
00:20:23: Der ist in einem Augenblick bei
00:20:26: mir.".
00:20:26: – Du gottloses Kind, rief die Zauberin!
00:20:31: Was muss ich von mir hören?
00:20:33: Ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschehen und du hast mich doch
00:20:37: betrogen!".
00:20:40: In ihrem Zorn packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paar Mal um ihre Liebkehand, griff eine Schere mit der Rechten und Ritschradsch waren Sie abgeschnitten.
00:20:51: Und die schöne Flechten lagen auf der Erde!
00:20:55: Und sie war so unbarmherzig dass sie die armer Rapunzeln in eine Wüste neibrachte wo sie dem großen Jammer-und Elend leben musste.
00:21:05: Denselben Tag aber wo sie Rapunze verstoßen hatte machte abends die Zauberin, die abgeschnitteten Flechten oben am Fensterhaken fest.
00:21:14: Und als der Königsohn kam und rief Rappunzel, Rappunnzel lass mir dein Haar herunter!
00:21:23: So ließ sie die Haare hinab.
00:21:25: Der Königssohn stieg hinauf Aber er fand oben.
00:21:28: nicht seine Liebste Rapunzel Sondern die Zaurberen, denen mit bösen und giftigen Blicken ansah Rief sie höhnisch Du willst die Frau liebst du holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und sinkt auch nicht mehr.
00:21:45: Die Katze hat ihn geholt und wird dir auch nach den Augen auskratzen!
00:21:49: Für dich ist Rappunzel verloren – du wirst sie nie wieder
00:21:53: erblicken!".
00:21:54: Der Königssohn geriet außer sich vor Schmerzen und in einer Verzweiflung sprang er den Turm herab.
00:22:01: Das Leben brachte er davon, aber die Dornen in dir fehl zerstachen ihm die Augen.
00:22:08: Da erte er blind im Wald umher, aß nichts als Wurzeln und Beeren und tat nix als Jammern und Wein über den Verlust seiner liebsten Frau.
00:22:21: So wanderte er einige Jahre im Elendum her und geriet endlich in die Wüstenei, worer Punsel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben-und ein Mädchen kümmerlich lebte.
00:22:35: Er vernahm eine Stimme – und sie deuchte ihm so bekannt!
00:22:40: Da ging er darauf zu und wer herankam, er kannte ihn Rapunzel und viel ihm um den Hals und weinte.
00:22:49: Zwei von ihren Tränen aber benetzten seine Augen – da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst!
00:22:59: Er führte sie in sein Reich, woher mit Freude empfangen war, und sie lebten noch lange glücklich und
00:23:08: vergnügt.".
00:23:17: Unser Punzelturm steht wie eine Grenze zwischen zwei Welten.
00:23:22: In seinem Inneren sehnsucht Kindheit, Geschichten von Menschen und um ihn herum eine Landschaft die von ganz anderen Kräften geprägt wurde.
00:23:36: Denn wer den Turm verlässt und in die Wälder tritt begegnet nicht nur Märchen sondern den ältesten Erklärungen der Welt.
00:23:48: Wenn man lange genug in dieser Landschaft unterwegs ist, merkt man schnell dass die Geschichten von Riesen keine Fantasiefiguren sind.
00:23:58: Sondern Antworten!
00:24:00: Es sind Erklärungsversuche aus einer Zeit bevor die Wissenschaft bestimmte Phänomene ergründen konnte.
00:24:09: Es waren Geschichten über die Entstehung von Bergen und Gewittern.
00:24:14: Ein Fels mitten im Tal musste von einer mächtigen Figur dort abgelegt worden sein.
00:24:20: Zwei tiefe Löcher wie die Wolkenbrüche bei Trennseburg brauchten ebenfalls eine Erklärung.
00:24:27: Ebenso ein tagelanges Gewitter, dies musste eine Schlacht zwischen zweimächtigen Kräften sein.
00:24:34: Deshalb beschrieben die Gebrüder Grimm Riesen als die ältesten Bewohner der Welt.
00:24:39: Die Forscher Simro und Bechstein sahen in ihnen die Kraft der Naturgewalten, die man nicht erklären konnte.
00:24:47: Paul Hermann erklärt Das Riesen aus drei Quellen entstehen.
00:24:52: Aus Naturbeobachtungen, aus der Angst von Naturgewalten und aus der Vorstellung einer früheren Welt.
00:25:00: Für ihn waren Riesen eine mythologische Deutung der Natur Und so teilt er sie in drei Arten auf Luftriesen Berg-und Waldriesen und die Wasserriesen.
00:25:14: Luftriese sind für Nebel und Sturm verantwortlich Da Sie Pfeifen rauchen Backen und Wolken hier hangt.
00:25:22: Sie fordern sich gegenseitig zu kämpfen heraus, und erzeugen so den Donner.
00:25:28: Berg- und Waldriesen tragen ihre Kämpfe in den Wäldern aus oder wurden versteinert und bilden so große einzelne Felsblöcke inmitten der grünen Natur.
00:25:39: Sie verkörpern Felsen, Schluchten, Steinschläge und Erdrutsche.
00:25:46: Die Wasserriesen hingegen erklären Hochwasserstrudel und gefährliche Flussstellen.
00:25:52: Sie stehen aber nicht nur für Gefahr, sondern auch für Weisheit und Bewegung.
00:25:58: In den ältesten Überlieferungen heißt es, dass sie über alle Gewässer herrschen – über Bäche, Ströme, Seen und Meere.
00:26:09: Der urgemalische Wasser-Riese Mimio, auch Mim oder Mimir genannt gilt als einer der älteste dieser Gestalten.
00:26:18: Er ist kein Ungeheuer, sondern eine Verkörperung des Wassers selbst!
00:26:23: Die Kraft, die alles trägt.
00:26:25: Alles formt und alles verschlingt.
00:26:30: Mimio bewacht die Quellen, lenkt die Ströme und wacht über die dunklen Tiefen der Seelen.
00:26:37: Seine Strude sind seine Hände.
00:26:40: Sein Atem bewegt die Wellen – um sein Zorn zeigt sich im Hochwasser.
00:26:46: Als Weise gilt Mimion weil Wasser in der alten Welt als Träger des Gedächtnisses verstanden wurde.
00:26:53: Quellen galten als Orte der Offenbarung, Flüsse als Wege die Geschichten weiter tragen und sehen als Speicher der Vergangenheit.
00:27:03: Wer das Wasser beherrscht, so glaubt man, beherft auch das Wissen über die Welt.
00:27:10: In Manchen Mythen heißt es Mimio kenne die Geheimnisse der Erde weil er sie alle berührt hat.
00:27:18: Die Quelle in der Embacht entsteht den Fluss der Länder durchquert den See, der alles spiegelt und das Meer, das die Welt umschließt.
00:27:28: So wird verständlich, warum die Menschen früher glaubten, dass Riesen die Natur vorn.
00:27:35: Sie waren nicht Figuren sondern Deutungen Bilder, die groß genug waren, um die Kräfte der Welt zu erklären.
00:27:44: Wanderer.
00:27:46: Hier liegen sie Geschichten eines Ortes nebeneinander.
00:27:50: Die schweren Schritte der Riesen, die einst über die Felsen halten Der Turm, in dem Rapunzel ihre Kindheit verbrachte und die Erklärungen wie solche Sagen überhaupt entstehen aus der Landschaft.
00:28:05: Aus dem Versuch das Unbegreifliche zu greifen zwischen Diemel und Weser zeichnen sich viele solcher Spuren und Schatten der Vergangenheit ab.
00:28:16: Sandsteinfelsen, Wälder, Flisse – sie tragen die Geschichten wie Jahresringe in sich.
00:28:25: Man muss nur lange genug zuhören, um sie wiederzufinden.
00:28:29: Und dort liegt vor uns ein Abschnitt der Anlass ist – Ein Weg, der sich quer über unsere Landkarte zieht wie ein Faden aus Erinnerung.
00:28:40: Eine Heimat der Geschichten die uns seit Generationen begleiten.
00:28:45: Seit Kindertagen!
00:28:46: Seit den ersten Bildern, die wir aus Büchern kannten.
00:28:51: Wir stehen am Rand eines Landstrichs in dem Sagen zu Märchen werden, der nicht nur erzählt sondern auch geprägt hat.
00:29:00: Ein Weg, der uns hineinführt in jene Geschichten die wir schon kannten bevor wir wussten woher sie kamen.
00:29:09: folgt mir und seid gespannt welches Gebiet wir als nächstes kreuzen werden.
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