Folge 9 - Der wilde Mann aus dem Oberharz
Shownotes
Diese Erzählungen entstehen aus vielen Stimmen und Aufzeichnungen, die mir auf meiner Wanderung begegnen. Frei nacherzählt aus alten Spuren, Erinnerungen oder neuen Funden.
Musik: Intro - eingespielt von Yoh
"Ghost Story" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 4.0 License http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
"The Path of the Goblin King" Kevin MacLeod (incompetech.com) Lizenziert unter Creive Commonsat: Per Attribution 4.0 Lizenz http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Sleep of Nature (Short, Pixabay)Siarhei_Korbut
Hintergrundgeräusche:
Feuerknistern - RonKoster2023 Wind und Grillen - Eryliau Hoot - TheGoosington harsh wind - dragon studio Hitting Woodaltfuture (Freesound) Knocking on WindowFabrizio84 (Freesound)
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00:00:04: Ich klom vom Ilsengrunde, durch Waldgeklüft und Moor in früher Morgenstunde den Brockenpfad empor.
00:00:53: In Busch-und Wipfeln sauste der Wind mit frischem Schall, da zwischen Vogt und Brauste von Fern der Wasserfall!
00:01:03: Und steiler Warz und Steiler – jetzt schloss der Forst sich auf.
00:01:10: und stärker quoll vom Meiler der Brandgeruch herauf.
00:01:14: Und jetzt, von dunst umwoben erblickt dich überm Tann auf schroffer Wand ihn droben!
00:01:22: Vom Berg den wilden Mann im Eichenkranz die Länden umspannt.
00:01:29: vorm Blätter-Schurz stand er – Die Keul in Händen hoch über'm Wasser-Sturz Und wie der Schaum die Klippen hinabschoss ohne Ruh, sang er mit Bertgen lippen.
00:01:43: ein mächtig Lied dazu.
00:01:46: Zwei Dinge lernt ich preisen von Alters herzumeist.
00:01:51: Im Berge wächst das Eisen im Wald rausch der Geist.
00:01:57: Die beiden halt in Ehren.
00:02:00: So wird dem Zeiten auf kein Feind dich je versehren.
00:02:05: Glück auf mein Volk!
00:02:06: Glück auf Er sang's.
00:02:10: und steigend walte der Nebel um ihn her, Und als das Lied verhalte, gewart ich ihn nicht mehr.
00:02:21: Im Harz von Emanuel Geibel Seid gegrüßt Wanderer Rastet ihr bei mir am Feuer Denn wie ihr hört Hat es noch nicht aus erzählt.
00:02:37: Mein Name ist Valeria, Wanderin der alten Pfade.
00:02:42: Ich lausche dem Flüstern des Waldes und der Winde, Und lasse das Feuer seine Geschichten erzählen.
00:02:52: Wir ziehen weiter vom Brocken hinab und hinein in den Oberharz Richtung Clausthal-Zellerfeld In das Reich des Wildenmanns Der Zwerge und der Schatten die ihn folgen.
00:03:10: Es heißt, der Harz sei ein ernster Wald durch dessen Gebirge der Wind fährt ein Land aus Schatten, Moos, Hochmoren und uralten Wegen.
00:03:23: Wer hier wandert geht nicht allein denn die Berge haben ihre Hüter!
00:03:33: Der Oberharz eine unbändige Landschaft, die ihre eigenen Regeln hat.
00:03:40: Dunkle dicht gewachsene Fichten bestimmten eins das Bild des Oberharzes.
00:03:47: Nur hier und da brach ein einzelner Sonnenstrahl durch ihr geschlossenes Dach, Und liest die Moos bedeckten Felsen glitzern.
00:03:57: Heute hat sich der Fichtenwald vielerorts gelichtet – Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben Schneisen geschlagen!
00:04:06: Doch die Bäume prägen die Landschaft weiterhin wie einen Gerüst aus alten Schatten.
00:04:14: Und dort wo die Fichten nicht bestehen konnten drängen sich nun andere ein Buchen rein sich aneinander, Junge und Alte.
00:04:23: Und mit ihnen entstehen neue Mischwälder.
00:04:26: Sie füllen die Lücken, die der Wandel hinterlassen hat und geben dem Oberharz ein anderes Gesicht.
00:04:34: Auf den Höhenkämm wachsen knorrige Eichen empor Lebewesen so groß und breit dass man nur ehrfürchtig zu ihnen hinauf schauen kann.
00:04:46: Diese uralten Eichen überblicken die Landschaft und alles, was in ihr geschieht.
00:04:54: Niemand hat so viel gesehen und erfahren wie sie!
00:05:01: Das Rascheln ihrer Blätter klingt wie das Flüstern alter Weisheiten und Legenden – und in den Wintermonaten recken Sie ihre knorrige Äste mahnend in den Himmel als wollten sie daran erinnern welche Kräfte der Natur beiwohnen und dass man vor ihren Hütern gewarnt sein sollte.
00:05:24: lange Schatten und sonderbare Wege begleitenden Wanderer hier.
00:05:29: Schon wenn er vom Brocken hinab steigt, und weiter Richtung Oberharz wandert durchquert der Torfhaus – und dort öffnet sich das Erste der vielen Hochmoore!
00:05:43: Ein weitest stilles Areal getaucht in rostbraune, rötliche und graugrühne Töne.
00:05:50: ein Landstrich voller Geheimnisse indem sich die Grasbüsche leicht im Wind wegen und dem morigen Untergrund trotzen.
00:06:01: Spiegelnde Wasserflächen durchbrechen hier und da das Bild, während sich Nebel in fetzenartigen Schleiern über den Boden legt.
00:06:13: Holzstege ziehen sich wie schmale Pfade durch die Weite und sollen den Wanderer sicher auf die andere Seite führen – doch ein Vispern liegt in der Luft!
00:06:27: Ein leises, kaum greifbares Flüstern das Menschen innehalten lässt und die Fantasie weckt wenn er Blick über die endlosen Flächen schweift.
00:06:42: Und wenn dieses Wispern verstumpt scheint sich der Weg selbst zu verändern.
00:06:51: Die Stege wirken anders verschoben als hätte das Moor seine Linien neu gezogen nur dass knapp der Holzboden durchberichtern die Stille.
00:07:05: Es ist, als sei man in eine fremde Welt geraten, die einen langsam aber unaufhaltsam in ihren Bann zieht.
00:07:18: Schon mancher Wanderer fand sich plötzlich im Sonnenuntergang dort stehend, obwohl er früh genug aufgebrochen war.
00:07:30: Wer weiterzieht und den Oberharz erkundet?
00:07:33: stößt bald auf schmale Wassergräben, die sich wie feine Linien durch das Gebirge und die Wälder ziehen.
00:07:41: Sie schlängeln sich zwischen Wurzeln und Felsen und speisen hier und da die Teiche des Oberharzes.
00:07:49: Vor allem hier in Klaus-Talze Laffeld scheinen wir von Teichen um Rinke zu sein.
00:07:55: Über fünfzig Teiche und kleine Sehen sollen hier zu finden sein – teils durch die Natur teils durch Menschenhand erschaffen.
00:08:08: Der Größte von ihnen liegt im Nationalpark, der sogenannte Oderteich.
00:08:14: In ihm soll ein altes Wasserwesen wohnen dessen Verwandtschaft wir schon an der Saale begegnet sind.
00:08:23: Ein alter Wassermannhaus doert so erzählt man sich Denn wenn jemand dort ertrinkt So wird der Körper schnell vom Schlamm bedeckt und fortgetragen.
00:08:34: Vergebnis hat man deshalb dort die Körper gesucht.
00:08:38: So kam das Gerücht auf, dass auch dort ein Wassermann leben müsse der verlorene Seelen zu sich holt und in Tongefäßen sammelt.
00:08:50: Wer am Oderteich innehält Und lange genug in die Tiefe blickt Der könnte das Gefühl bekommen Dass etwas zurückblicket.
00:09:04: Neben den Teichen stößt man hier auch auf Höhlen und alte Bergwerke.
00:09:09: Auf verlassene Holzbrücken und Stau wäre aus der Bergbauzeit, aus einer Zeit in der der Oberharz als eines der bedeutesten Erzreviere Deutschlands galt.
00:09:21: Die Stollen mögen Verlassen wirken die Brücken Morsch, die gräben still aber etwas wacht über diesen Teil des Gebieres.
00:09:32: Man sagt, dass in den alten Schächten noch immer Schritte zu hören sind – obwohl dort längst niemand mehr arbeitet.
00:09:40: Ein leises Klopfen!
00:09:42: Ein Echo das sich nicht erklären lässt und manchmal wenn der Wind durch die verlassenen Eingänge fährt klingt es als würde jemand tief im Berg atmen.
00:09:56: Hier beginnt das Reich jener Gestalten, die man die Hüter der Tiefe nennt.
00:10:06: Manche sprechen vom Bergmensch, dem Wächter der Gruben.
00:10:10: Andere erzählen vom wilden Mann, der über die Wälder und Felsen herrscht.
00:10:17: Und wer lange genug lauscht, könnte glauben, dass beide nur zwei Gesichter derselben uralten Kraft sind – der Kraft des Gebirges selbst!
00:10:30: Einer, der seine schützende Hand und sein wachsames Auge über den Berg und den Wald
00:10:35: hält.".
00:10:42: Zu Klausthal gehört die kleine Bergstadt Wildemann, deren Namensgeber einst ein urtümliches Waldwesen war.
00:10:50: Die Kraft des Waldes – ungezähmter Hüter über Natur und Tier!
00:10:58: Man erzählt sich das der Wildemannen der Erste war, der sich im Oberharz niederließ.
00:11:05: Lange bevor Bergleute Siedler oder Ritter die Höhen erreichten.
00:11:10: Zusammen mit seiner Gefährtin streifte er durch die Wälder Hauste in Höhlen und Schluchten.
00:11:17: Beide waren von Hühnenhafter gestalt, gekleidet in Laubgürtel- und Mooskappen als wären sie selbst aus dem Wald gewachsen.
00:11:26: Dem wilden Mann wuchs ein Bad der ihm bis zu den Hüften reichte verfilzt von Harz und Nadeln.
00:11:34: In seiner Hand trug er stets eine ausgerissene Tanne – also Waffe!
00:11:41: Mit ihr erschlug er Beeren und Wildschweine, wenn die Früchte des Waldes nicht mehr ausreichten.
00:11:50: Die Menschen, die später in den Harz kamen, wussten nicht was sie von ihm halten sollten.
00:11:57: Manche fürchteten ihn andere sahen in ihm einen Wächter und einige behaupteten sogar von ihm abzustammen – von Kindern, die er mit seiner Gefährtin gezeugt hatte bevor sie sich vor den Menschen zurückzogen!
00:12:12: Diese Familien sollen bis heute eine ungewöhnliche Kraft besitzen, ein Gespür für den Wald das man nicht erlernen kann.
00:12:26: Als die Bergleute in sein Gebiet eindrangen um Erdsadern zu suchen beobachtete er sie aus der Ferne.
00:12:34: Einer von ihnen war der Ritter Klaus Der Gründer von Klausthal.
00:12:40: Er soll den Hühnen entdeckt haben als diese einen erlegten Beeren über der Schulter trug, als wäre er federleicht.
00:12:49: Klaus folgte ihm bis zu seiner Höhle.
00:12:52: Die Gefährtin des wilden Mannes erschrak, floh in die Tiefe des Waldes und Herr Wildemann, verwirrt und allein ließ sich von Klaus beruhigen.
00:13:02: So wurde Er zu dessen geholfen.
00:13:05: Er zeigt ihm Wege, warnte vor Einstürzen, führte ihn zu Wasserstellen und sicheren Lagern.
00:13:12: Doch den anderen Bergleuten war das nicht geheuer.
00:13:16: Sie sahen ihm kein Wesen des Waldes, sondern ein Tier, dass man jagen müsse!
00:13:25: Der wilde Mann wehrte sich.
00:13:28: Mit seiner Tanne schlug er Schneisen in den Wald, rampte einmal sogar eine Linde so tief in dem Boden, daß sie bis heute dort steht – doch schließlich wurde er gefangen genommen.
00:13:41: Er starb im Kummer, über seine verlorene Freiheit und die Verpflichtung dem Bergleuten zur Hand zu gehen.
00:13:48: Erst nach seinem Tod begriffen die Menschen was sie verloren hatten Denn dort wo er am liebsten gesessen hatte fand man Silberadern im Berg als hätte er sie bewacht und verborgen.
00:14:03: Und der Wald, der zuvor im Gleichgewicht war wurde unruhiger wilder schwerer zu lesen.
00:14:12: Zu seinem Gedenken benannte man die Bergstadt nach ihm und errichtete eine Statue, neben der Linde, die er einst als Mahnung in dem Boden rampte.
00:14:24: Auf das keiner vergesse wem die Leute den Aufbau ihrer Stadt und ihre Abstammung zu verdanken haben.
00:14:33: Doch wenn der Wind durch die Fichten fährt, hört man noch immer sein Brummen.
00:14:39: Manche behaupten, dass seine Nachkommen noch unter den Menschen leben mit breiten Schultern, dunklen Augen und einen Blick der den Wald besser versteht als jedes Wort.
00:15:00: Darüber hinaus kennt man noch eine weitere Gestalt des Waldes – ein Schatten, der den wilden Mann eins begleitete.
00:15:09: Ein unheimlicher Jäger soll sich in den Wäldern herumtreiben Eine verfluchte Gestalt die aufgrund ihrer Grausamkeit im Wald gefangen blieb.
00:15:20: Eins ließ er sich noch vom Wildenmann zurückhalten, doch nach seiner Zeit übernahm er als wilder Jäger seine Rolle und waltete ohne Nachsicht.
00:15:34: Einsam und ohne Gefolge geht er auf die Jagd – und es sei ein jeden geraten ihn nicht zu versputen!
00:15:46: Der wilde Jägar war nicht immer einschatten, man erzählt sich, er sei einst ein Mensch gewesen….
00:15:54: Ein Jäger, der mit grausamer Hand durch die Wälder zog.
00:15:58: Er tötete nicht aus Hunger sondern aus Übermut – er versportete die Tiere, quälte sie und lachte über die Regeln des Waldes.
00:16:10: Eines Nachts begegnete er einer Gestalt, die er für ein Wanderer hielt.
00:16:16: Doch es war der Teufel selbst.
00:16:18: Und der Teuffel sprach Wenn du schon jagst wie ein Tier Sollst du auch leben wie eines?
00:16:28: Er legte dem Jäger ein Halsband an, Ein eisernes Band das sich nicht lösen ließ.
00:16:34: In dem Moment starb der Mann doch sein Schatten blieb So wie der blaue Schatten des Halsbands auf seinem leblosen Körper.
00:16:44: Nun war er verflucht ruhelos und an den Wald gebunden.
00:16:50: Solange der wilde man lebte hielt er den jäger zurück so gut er konnte als sei eine unsichtbare Leine an das eiserne band gebunden.
00:17:02: Als der Wilde man jedoch starb, rissen diese Fesseln.
00:17:07: Seitdem zieht er wilde Jäger bei Gewitter durch die Wälder begleitet vom Heulern des Windes und dem Knacken der Stämme.
00:17:15: Manchmal hört man ihn rufen wer Fleisch wollen würde doch soll man sich hüten diesem Spott aus vergangenen Tagen zu antworten denn er jagt nicht allein.
00:17:27: zwei Hunde sollen ihm begleiten groß wie Wölfe mit Augen dem dunkeln Glühn Ihre Pfoten berühren kaum dem Boden und doch hört man sie hinter sich, wenn der Sturm aufzieht.
00:17:41: Die Köhler im Harz kannten ihn gut.
00:17:44: Manche von ihm – töricht oder neugierig – nägten ihn um ihn einmal wahrhaftig begegnet zu können oder ihren tollkühnen Mut zu beweisen.
00:17:55: Sie riefen seinen Namen, verspotteten ihn, lachten in die Nacht und eften die vorbeirasenden Hunde nach!
00:18:04: Ein jedes Mal erschien er, als Schatten der sich verdichtete.
00:18:10: Er hob die Hand und gab ihn eine Ohrfeige so hart, dass sie tagelang das Gesicht nicht spürten.
00:18:19: Zudem hinterließ er eine Warnung, denn wenn die Köhler am nächsten Morgen zu ihren Hütten zurückkehrten, fehlten ihre Braten!
00:18:30: An deren Stelle lag stets eine Pferdelände.
00:18:34: Hier und da lagen auch Pferdeländen vor den Türen einzelner Häuser.
00:18:39: Wer eine Lände erhält, steht unter der Beobachtung des wilden
00:18:44: Jägers.".
00:18:50: Wanderer!
00:18:51: Vielleicht fragt ihr euch nun was es mit den Pferdeländen auf sich hat?
00:18:56: Wieso sollten sie als Warnung verstanden werden und nicht als zusätzliche Nahrung die der Jäger dem Menschen zukommen
00:19:03: ließ?".
00:19:06: Zu damaliger Zeit und in alten Sagen galt Pferdefleisch als unrein, dämonisch ein Zeichen des Teufels.
00:19:14: Ein Fleisch das kein Mensch essen sollte.
00:19:20: Pferde waren im Menschen heilige Tiere.
00:19:23: Sie waren treue Begleiter und Helfer bei schweren Arbeiten, bei Transporten auf dem Feld und auch im Bergbau.
00:19:31: Keine Nahrung Eine Pferdelände bedeutet Du hast die Grenze überschritten, du hast den Falschen verspottet und wenn du weitergehst wirst du selbst zu Beute.
00:19:46: Es ist ein Ohmen kein Geschenk!
00:19:48: Ein Hinweis darauf dass der wilde Jäger den Köhler hätte töten können aber sich dagegen entschied.
00:19:56: diesmal nun lasst mich euch vom zweiten Gesicht jener uralten Kraft erzählen Die über Wald und Bergwacht dem Bergmensch.
00:20:14: Denn so, wie der wilde Mann die Wälder hütete?
00:20:17: So wacht er Bergmännch über das was darunter liegt Dort wo das Licht nicht mehr hinein reicht Wo die Luft kühl und feucht wird dort wo die Menschen nur mit Landmann Mut hinabsteigen Und selbst dann nicht sicher sind ob sie willkommen sind.
00:20:44: Einst gab es einen Bergmeister aus Klaus-Talzellerfeld, dessen Herz so tief im Berg schlug, dass er die Welt darüber kaum noch wahrnahm.
00:20:55: Der Bergbau war seine große Leidenschaft und als er im Sterben lag rief er nach seinem Herrn und sprach – Ich will nicht hinauffahren!
00:21:07: Lass mich weiter wandeln Lasst mich wachen über das, was ich mein Leben lang geliebt habe.
00:21:17: Sein letzter Wunsch wurde ihm gewährt, denn das Gebirge brauchte einen neuen Wächter!
00:21:26: Seit jener Nacht wandelt er weiter als Hüter der Tiefe.
00:21:32: Großfang gestalt, breitschuldrig wie ein alter Bergmann mit Händen groß wie Eisenhemmern gekleidet in eine Kutte die an einen Mönch erinnert hin und wieder aber auch in der Kluft seines einstigen Amtes.
00:21:50: In seiner Hand hält er eine silberne Grubelampe, deren Flamme so hell brennt dass sie beinahe die Stollendecke berührt.
00:21:58: Wo dieses Licht erscheint, erzittert der Fels vor Anerkennung.
00:22:06: Der Bergmensch gilt als Prüfer, Richter – und auch Schellen!
00:22:13: Er zeigt tüchtigen Bergleuten, Erdsadern und Goldschätze die niemand zuvor gesehen hat.
00:22:20: Er hebt schwere Lasten, räumt Geröll bei Seite, hält Stützen wenn ein Stollen zu brechen droht aber nur so lange niemand darüber spricht.
00:22:31: Denn wer sein Wirken verrät, wer prallt oder sich rühmt der findet am nächsten Morgen nur verschmolzenes Gestein wo zuvor Silber glänzte.
00:22:42: Faulen arbeiten jedoch gönnt er keinen Frieden.
00:22:46: Einmal soll der ein Mann so lange Schuften lassen haben, bis dieser Zittern zusammenbrach!
00:22:53: Als der Bergmünch sah, dass der Mann bereit war über seine Grenzen hinauszugehen, erledigte er den Rest der Arbeit selbst.
00:23:01: Er räumte sogar den Stollen auf als wäre er nie dort gewesen.
00:23:10: Andere berichten das er Streiches spielt.
00:23:14: Er vertauscht Werkzeuge, löscht Lampen lässt Schritte heilen, wo niemand geht.
00:23:20: Er vertreibt sich die Zeit und hält die Bergleute an wachsam zu bleiben Denn müßig gang verachtet er mehr als alles andere.
00:23:31: Wenn in einem verlassenen Stollen plötzlich ein silbernes Licht auflampt So soll man weder fliegen noch sprechen Man soll nur weiterarbeiten Ruhig Gewissenhaft Mit Respekt Auch heute, wo der Bergbau längst zum Erliegen gekommen ist, wandelt er weiter.
00:23:54: Er wacht über Fels und Mensch und über die alten Schächte, die längst verschüttet sind – und über jene, die sich noch immer in ihre Nähe wagen.
00:24:05: Selbst die Forsterbeiter kennen seine Streiche!
00:24:08: Wenn sie in der Nähe verlassener Stollen arbeiten, verschwinden Werkzeuge, Lampen flackern ohne Grund Halt ein Schritt hinter ihn, obwohl niemand dort steht.
00:24:21: Sie sagen dann nur dass er wohl nach dem Rechten schaut!
00:24:30: Wer sich veriert in den Wäldern über den Stollen oder einen alten Gängen selbst?
00:24:35: Der wird nicht allein gelassen.
00:24:38: Aus der Tiefe hört man Klopfzeichen denen man folgen soll bis man wieder vertraute Wege unter den Füßen hat.
00:24:56: folgt selbst seinem Nachfolger ein Schatten, Herr Urian.
00:25:02: Er ist das zweite Gesicht der Tiefe über das man nicht gern spricht.
00:25:07: Denn während der Bergmönch mit seiner silbernen Lampe die Stollen erhält bewegt sich Herr Urien dort wo selbst dieses Licht nicht hinreicht in Ritzen im Schächten, in alten vergessenen Gängen, die kein Mensch mehr betreten sollte.
00:25:27: Seinen Namen Hat er übrigens ebenfalls wie die Wege hoch zum Brocken?
00:25:32: Von Goethe selbst erhalten.
00:25:35: Erneut durch das Werk Faust Bei Straßberg liegt ein alter Schacht, den jeder im Harz nur den Teufelschacht nennt.
00:25:52: Seine Geschichte beginnt mit einem Bergmann der so stolz und streng war dass ihm kein Arbeiter gut genug erschien.
00:26:02: Er jagte jeden fort, der nicht nach seinem Maß arbeitete.
00:26:06: Bis eines Tages ein Fremder erschien, der ihm das Wasser reichen konnte.
00:26:13: Als es an die Auszahlung des Lohns ging, entbrannte ein Streit.
00:26:17: Der Bergmann war auf einen Teil des Geldes in den Schacht um den Fremden zu demütigen – der aber sprang hinterher und blieb dort sitzen!
00:26:27: Er richtete sich auf, sah dem Bergmann an und sprach mit einer Stimme, die nicht menschlich Wenn du mich rust, komm' ich!
00:26:36: wenn du mich krängst bleib'
00:26:38: ich!".
00:26:42: Da erkannte der Bergmann wen er vor sich hatte.
00:26:46: Der Fremde war Herr Urian selbst – der Teufel der Tiefe.
00:26:51: Seitdem besitzte er den Schacht.
00:26:54: Wer dort arbeiten wollte musste zwischen seinen Beinen hindurch in die Tiefe steigen.
00:27:01: so wurde der Reich halt die Gestollen aufgegeben.
00:27:08: Andere Bergleute waren übermütig.
00:27:13: Als Mutprobe sprachen sie alte Zauberformeln, um Urian heraufzurufen und tatsächlich er erschien.
00:27:24: In Klaus-Talzellafeld wiederum lebte eins ein Bergmann der die Gabe hatte Geister zu sehen.
00:27:34: Eines Tages sah er Herrn Urian selbst.
00:27:38: Dieser saß in der Kirche und schrieb Sünden auf eine ausgebreitete Coohaut.
00:27:44: Jede Sünde, die ein Mensch beging, jede Respektlosigkeit im Gotteshaus gegenüber, dehnte die Haut ein Stück weiter.
00:27:53: Als sie zu voll wurde wollte Urian sie ziehen doch er rutschte darauf aus und fiel der Länge nach hin.
00:28:02: Der Bergmann lachte laut auf Zu laut was alle anderen verwundete.
00:28:10: Urian fuhr herum Die Augen wie zwei glühende Kohlen.
00:28:14: Er packte den Bergmann am Kragen und schleifte ihn durch einen angrenzenden Stollen, bis dessen Lampe erloscht.
00:28:22: Dann ließ er ihn los – mitten in der Dunkelheit.
00:28:31: Stundenlang erte der Mann umher, bis er schließlich die Klopfzeichen des Bergmanns hörte.
00:28:40: Der führte ihm zurück!
00:28:50: Wanderer habt ihr gelernt, woher das Sprichwort Das passt auf keine Kuhhaut, stammt.
00:29:00: Wer viel Unfug treibt dem wird nachgesagt dass den Teufel der Platz zum Sündenaufschreiben ausginge.
00:29:09: Wanderer die sagen vom wilden Mann und seinem Schatten Vom Bergmännich und Herrn Urien Sie waren nie nur Geschichten sie waren warnenden Erklärungen Trost.
00:29:23: Sie halfene Menschen zu verstehen was größer war als sie selbst Die Macht des Waldes, die Tiefe des Berges.
00:29:31: Die Versuchungen der Dunkelheit und die Hoffnung dass jemand wacht.
00:29:37: Man suchte stets Erklärungen für das was man nicht greifen konnte Besonders Naturgewalten und Gruben und Glück Beschäftigten die Menschen so dass sie von Lehren Warnungen und Hoffnungen sprachen damit sie sich stets mit großer Achtsamkeit den Ding näherten, die der Mensch nur schwer kontrollieren konnte.
00:30:04: Der Bergmönch wacht über Klausthal – doch sein Reich hat Grenzen!
00:30:10: Er ist Einhüter der Tiefe, aber nur dort wo die Menschen eins gruben schufteten und hofften.
00:30:18: Ob was liegt jenseits dieser Grenzen?
00:30:21: Was liegt in den Felsen und Höhlen, die älter sind als jede
00:30:25: Gruppe?".
00:30:29: Dort beginnt das Reich derer, die schon da waren, lange bevor der erste Bergmann eine Lampe entzündete.
00:30:47: Die Zwerge sind so alt wie der Berg selbst!
00:30:52: Sie kennen jeden Riss im Gestein, jede verborgene Ader, jeden Hohlraum, der unter den Wurzeln der Bäume verborgen liegt und wer ihnen begegnet weiß nie ob er geprüft verspottet oder beschützt wird.
00:31:13: Denn die Zwerge des Harzes folgen ihren eigenen Regeln und sind ernster als all' die anderen Völker des Landes.
00:31:23: Oft erzählte man sich, dass sie den Menschen Dingen starren oder sie versteckten – ein Hammer der eben noch neben der Lampe lag fand sich plötzlich auf einem Balken wieder!
00:31:36: Ein Sack voll Erz war am Morgen leer, nur um am Abend doppelt so schwer zurückzukehren.
00:31:43: Solange sie einem wohlgesonnen waren!
00:31:48: Doch sind sie eher ein debisches Volk das nicht nur Schätze sondern auch die Erntenstahl.
00:31:55: Manchmal hörte man an leises Kichern einen raschen, ein glupfen und wusste... ...die Zwerge waren da Und sie wollten sehen, wie man reagierte.
00:32:07: Wer fluchte oder wütend wurde, verlor mehr als er je wiederfand.
00:32:14: Wer aber ruhig blieb?
00:32:16: Wer weiter arbeitete?
00:32:17: Wer dem Berg achtete?
00:32:19: Dem gaben Sie zurück was sie genommen hatten – manchmal sogar im besseren Zustand als zuvor!
00:32:30: Ihre Streiche gingen tiefer als Werkzeuge und Vorrähte zu verstecken.
00:32:35: Selbst vor den Menschenkindern machten sie keinen Halt.
00:32:38: Dennoch sind sie in dieser Region keine grausamen Entführer.
00:32:44: Sie spürten, wenn ein Menschenkind schwach war, schlecht umsorgt oder wenn die Eltern unachtsam mit den Gaben des Waldes umging.
00:32:53: Wenn ein Zwergenkind zu neugierig wurde durfte es ebenfalls einmal einen Platz in der Menschenwelt einnehmen.
00:33:02: Die vertauscheten Kinder wurden in den Hallen der Zwerge umsorgt – ernährt, gewärmt.
00:33:09: Wenn sie zurückkehrten, waren sie häufig wacher Geschickter und mit einem Blick der Mehrsaar als andere.
00:33:19: Über all diesen Zwergen – über ihren Schalk ihre Prüfungen und ihre Geheimnisse steht ein Herrscher so alt wie der Fels, so streng wie der Winter und doch fähig zu einer Güte die man nur versteht wenn man ihm selbst begegnet ist!
00:33:38: König Hübig von Hübichenstein.
00:33:43: Einst wanderte der Sohn eines Försters durch den Wald, er suchte die Zwerge weil er wissen wollte ob die Geschichten wahr waren.
00:33:55: Eines Abends als sehr Nebel zwischen den Bäumen hing wie ein Vorhang trat ein kleiner Mann aus dem Schatten.
00:34:03: Sein Bart war weiß seine Augen funkelten wie frisch geschlagenes Erz.
00:34:10: Der Junge erschrak, doch der Zwerg lächelte und winkte ihn näher.
00:34:15: Er führte ihn zu einem Spalt im Fels, der sich öffnete wie eine Tür aus lebendigem Stein.
00:34:22: Dahinter lag einer Halle so hell, dass der Junge die Augen schließen musste.
00:34:28: Zwerge arbeiteten dort, schmiederten, hemmerten und sangen.
00:34:33: Auf einem Thron.
00:34:34: auf grünem Gestein saß König Hübich selbst!
00:34:39: Er musterte den Jungen lange.
00:34:41: dann nickte er, als hätte er in ihm etwas erkannt das selbst der Junge noch nicht kannte.
00:34:48: Hübisch sprach von Respekt, von Demut und von der Verantwortung die der Wald den Menschen auferlegt.
00:34:57: Außerdem bat er ihn auf den hübischen Stein zu achten da es dem Zwergenkönig nur so lange vergönt war die Oberwelt zu betreten wie dieser Kalkstein der Größte bliebe.
00:35:10: Weil der Junke zugehört hatte füllte der König seine Taschen mit Gold und Silber.
00:35:17: Der Förstersohn fiel plötzlich in einen tiefen Schlaf, und als er erwachte, fand er sich im Wald zurück – die Taschen weiterhin voller Gold-und-Silber.
00:35:31: Sein Lebtag bemühte er, sich die Lehren des Zwergenkönigs weiterzutragen und den hübischen Stein zu schützen.
00:35:40: Als der dreißigjährige Krieg über das Land kam spotteten die fremden Soldaten über die alten Legenden.
00:35:48: Aus hohen schossen sie immer wieder auf die Spitze des Kalksteins, bis er nicht mehr der Größte war.
00:35:54: Seitdem sprach niemanden mehr über den wandelnden Zwergenkönig.
00:36:00: Der Eingang seiner Grotte soll dennoch geöffnet geblieben sein so dass er weiterhin Besucher empfangen könnte und mitbekehme was oben vor sich geht.
00:36:19: Wanderer.
00:36:20: So stehen sie also nebeneinander, die alten Kräfte des Oberharzes.
00:36:28: Die Zwerge der wilde Mann und sein Schatten, der wilden Jäger, der Bergmönch und Herr Urian!
00:36:37: Hüter und Verführer Ordnung und Unruhe.
00:36:45: Lasst uns nun ruhen bis sich uns ein weiterer Pfad zeigt.
00:36:50: Tief zwischen Fels- und Wurzelwerk wartet schon die nächste Geschichte, geduldig wie der Berg selbst.
00:37:00: Wenn wir bereit sind werden die alten Stimmen wieder laut genug flüstern dass wir ihnen folgen können.
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